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Enhanced eBooks oder die Zukunft des Lesens

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Der (E-Book-) Preis ist heiß

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Man verzeihe mir den ausgeleierten Rückgriff auf den Titel einer alten RTL-Gameshow aus den 90er Jahren. Aber es passt einfach zu schön. Denn das Pricing für E-Books ist wirklich ein heiß diskutiertes Thema. Aus unzähligen Leserforen tönt die Klage, Verlage würden sich an E-Books unverhältnismäßig bis verbrecherhaft bereichern, da ja schließlich gar kein Buch mehr gedruckt werden muss. Das klingt dann in etwa so:

„Man muss sich nur die absurd hohen Preise anschauen, die für eine Handvoll elektrischer Zustände (0 und 1), sprich eBooks, von den Verlagen gefordert werden, als ob noch immer die kostenintensive Produktion und der teure Vertrieb existierten. Dann weiß man, dass die Fortschrittsverweigerer der Verlage lieber Dinge wie ACTA ohne Rücksicht auf Grundrechte durchlobbyieren, anstatt mit der Zeit zu gehen.“ (Kommentar zu einem auf Carta.info erschienen Beitrag)

Aber ist dem tatsächlich so? Wie kommt der E-Book-Preis denn zustande? Sind E-Books tatsächlich zu teuer? Wäre alles besser ohne Preisbindung? Gibt es bald nur noch einen Markt für 99-Cent-E-Books?

Diese Fragen wollen wir beim nächsten E-Book-Treffen Anfang  März in Hamburg erörtern. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein gerade auf buchreport erschienener Artikel, der in Form hübscher Tortendiagramme aufzeigt, dass der prozentuale Gewinn beim Verkauf eines E-Books sogar geringer ausfällt als bei einem gedruckten Buch. Den Druckkosten gegenüber (die i.d.R. gar nicht sooo hoch sind) stehen nämlich die Umwandlungskosten ins E-Book-Format, die höheren Autorenhonorare beim E-Book und nicht zuletzt auch die Mehrwertsteuer, die beim E-Book 19%, beim gedruckten Buch hingegen nur 7% ausmacht.

Kalkulation eines E-Books

Doch ob solch eine Rechnung letztlich den E-Book-Käufer überzeugt? Ich befürchte nicht. Der richtige Preis ist etwas, das von vielen – gefühlten – Faktoren abhängt. Wie diese schöne Präsentation (Dank an A.K.!)  gut veranschaulicht:

Der E-Book-Preis bleibt also schätzungsweise erst mal heiß. Und die Diskussion in unserer E-Book-Runde wird das sicher auch. Wer beruflich mit E-Books zu tun hat und gerne teilnehmen möchte, der melde sich einfach bei mir.

Written by greubel

10. Februar 2012 at 09:14

Veröffentlicht in eBook Marktanalysen

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eBook-Wochenrückblick

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Time is such a hungry beast …Und deshalb heute hier – ohne die Garantie einer regelmäßigen Fortschreibung – ein Rückblick auf die vergangene eBook-Woche:

Amüsante Perspektive. Ein Amerikaner versucht zu verstehen, warum in Europa die E-Books noch keine Erfolgsgeschichte schreiben, auch wenn „… ebooks are still less expensive that print books, people choose print, 98-2.“
http://mhpbooks.com/44804/stunning-numbers-reflect-european-disinterest-in-ebooks-and-internet-retail/

Barnes & Noble, hat vor wenigen Tagen die letzten Quartalszahlen veröffentlicht. Die Verkäufe des Nook sind sind im abgelaufenen Quartal um 85 Prozent, auf 220 Millionen US-Dollar gestiegen. Die Digitalverkäufe sind um 17 Prozent von ca. 177 Millionen US-Dollar auf ca. 206 Millionen US-Dollar gewachsen. Barnes & Noble hält damit nach eigenen Angaben rund 27 Prozent des eBook (Reader) Marktes in den USA.
http://cme.at/marktanalyse/barnes-noble-umsatze-im-dritten-quartal/

Evan Schnittmann von Bloomsbury Publishing analysiert in einem Interview sehr fundiert die Entwicklung und Perspektiven des amerikanischen E-Book-Markts.
http://www.boersenblatt.net/463927/

Eine Umfrage des Buchreport hat ergeben, dass Händler außerhalb der großen Ketten keinen E-Book-Boom vor dem Fest erwarten. 52 Prozent gaben an, zum Weihnachtsgeschäft keine E-Reader anzubieten.
http://www.buchreport.de/nachrichten/nachrichten_detail/datum/0/0/0/digitale-skepsis.htm?no_cache=1&cHash=119592af5c

KNV musste eine Rückrufaktion für den iRiver ausrufen, da die Anbindung an die Partnerbuchhandlung nicht funktionierte.
http://www.boersenblatt.net/463870/

Weltbild verkauft seit 1. Dezember in einer auf 1500 Exemplare limitierten Aktion seinen E-Reader, auf dem vier Bücher des Krimi-Autors Cody McFadyen vorinstalliert sind.
http://meldung.org/index.php?section=news&cmd=details&newsid=30117

„Verlage der Zukunft“ hat E-Reader getestet und den Kobo Touch zum Testsieger erkoren.
http://www.verlagederzukunft.de/2011/11/29/die-neuen-ebook-reader-im-vergleich-kobo-touch-testsieger/

Ein Artikel in der ZEIT hinterfragt, ob man Verlage noch braucht um lesenswerte Bücher ausfindig zu machen – oder ob die Schwarmintelligenz im Netz das nicht richten könnte.
http://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-11/leseplattformen-verlage

„Wir laufen dem Fortschritt hinterher“. Michael Krüger im Interview bei 3sat, u.a. zum Thema E-Book
http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=28222&mode=play

Und noch eine Blog-Empfehlung. Hier schreiben eine Germanistin und ein Programmierer einen außergewöhnlich substanziellen Blog über die Erstellung von E-Books.
http://www.typearea.de

Written by greubel

4. Dezember 2011 at 23:37

Ist Lesen sozial? Social Reading Features in eBooks

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„Bücher sind sozial“, meint Travis Alber, Gründerin von BookGlutton.

Spontan würde ich dem widersprechen. Ich lese allein. Und möchte dabei ebenso wenig vom klingelnden Nachbarn wie von Pop-Up Fenstern und anderem schmückenden Beiwerk gestört werden.

Aber: Lesen verändert sich. Und ja, die meisten Leser möchten über das, was sie lesen, sprechen. Je jünger, je lieber auch online. Und sieht man genauer hin, findet man wirklich neue und interessante Möglichkeiten und Plattformen, nicht nur im Web, sondern auch als Feature in Enhanced eBooks:

  • Auf Lovelybooks gibt es die „Buchfrage“ und LiveStreams; Leser können sich austauschen, Gruppen bilden, Rezensionen und Empfehlungen einstellen und mit Autoren in Kontakt treten.
  • BookGlutton und TheCopia bieten aus dem Buch heraus die Möglichkeit, mit anderen Lesern in Kontakt zu treten und zu diskutieren.
  • Readeo und astorybeforebed sind eine Art Vorlesen per Skype; Kinderbücher können gemeinsam am Computer von beliebigen Orten aus gelesen werden.
  • The Amanda Project ist eine interaktive Romanserie für Mädchen, die ein Profil anlegen und selbst zur Romanfigur werden können.

Jedes dieser Angebote ist innovativ und zeigt, dass sich nicht nur die Form der Information – das Buch –, sondern auch die Art und Weise ihrer Aufnahme – das Lesen – verändert. Schnell verändert.

Für alle, die mit Büchern arbeiten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Es ist immens wichtig, Möglichkeiten zu prüfen, Know-How aufzubauen und Neuland mitzugestalten. Aber gibt es auch schon einen Markt für eBooks mit Social Reading Features?

Ein Blick auf das einzige deutsche Angebot beantwortet die Frage mit: Nein.

Auf Lovelybooks gibt es drei Titel aus Rowohlts neuer digitalbuchplus Reihe, aus denen heraus eine Buchfrage an den Autor gestellt werden kann. Sascha Lobo: Strohfeuer (erschienen am 17.09.2010), Bernhard Hoëcker/Tobias Zimmermann: Meilenweit für kein Kamel, und Thorsten Havener: Ich weiß, was du denkst (beide erschienen am 07.10.2010). Via eBook sind heute bei Strohfeuer 18, bei Meilenweit für kein Kamel 6 und bei Ich weiß, was du denkst 0 Buchfragen zu verzeichnen.

Das ist sehr wenig. Und mir fällt auch keine Buchfrage ein, denn ich lese am liebsten allein. Aber: Social Reading wird sich in den nächsten fünf  Jahren stark entwickeln. Da bin ich mit Travis Alber einer Meinung.